Blasenkrebs
- Was ist die Blase und wozu dient sie?
- Was ist Blasenkrebs?
- Wie wird Blasenkrebs klassifiziert?
- Was sind die Risikofaktoren für Blasenkrebs?
- Was sind die Symptome von Blasenkrebs?
- Wie wird Blasenkrebs diagnostiziert?
- Wie behandeln wir oberflächlichen Blasenkrebs?
- Wie behandeln wir invasiven Blasenkrebs (Stadium T2 und höher)?
- Bei wuchserendem Blasenkrebs: Bei wem sollte eine radikale Zystektomie (Entfernung der Blase) durchgeführt werden?
- Gibt es eine Alternative zur Blasenentfernung? (Für Patienten, bei denen eine radikale Zystektomie nicht möglich ist)
- Ist die radikale Zystektomie für jeden geeignet?
- Wie sollte die Nachsorge nach einer Operation bei Blasenkrebs erfolgen?
- Ergebnis und Zusammenfassung
Was ist die Blase und wozu dient sie?
Die Blase, wie sie in der Medizin bezeichnet wird, ist ein wichtiges Organ unseres Körpers, das Teil der Harnwege ist. Die Aufgabe der Blase besteht im Wesentlichen darin, den von den Nieren kommenden Urin zu speichern und diesen in angemessenen Abständen willentlich auszuscheiden, also das Wasserlassen zu ermöglichen.
Was ist Blasenkrebs?
Blasenkrebs ist eine Krebsart, die durch eine abnormale Vermehrung der Zellen in der Blasenwand entsteht. Am häufigsten tritt das urotheliale (transitionale) Karzinom auf. Seltener kommen auch das Plattenepithelkarzinom und das Adenokarzinom vor. Blasenkrebs tritt in der Regel häufiger bei Männern auf, und einer der wichtigsten Risikofaktoren ist das Rauchen.
Wie wird Blasenkrebs klassifiziert?
Blasenkrebs wird histologisch und klinisch klassifiziert:
A) Histologische Klassifizierung (Krebsart)
1. Urothelkarzinom (Transitionszellkarzinom) → Dies ist die häufigste Form (90 %).
2. Plattenepithelkarzinom → Entsteht infolge einer chronischen Infektion oder einer lang anhaltenden Reizung.
3. Adenokarzinom → Entsteht aus den Drüsenstrukturen der Blase, tritt selten auf.
4. Kleinzelliges Karzinom → Es ist sehr aggressiv und selten.
5. Sarkomatoider Krebs → Entsteht aus dem Bindegewebe, ist selten, aber aggressiv.
6. Variantenarten
B) Klinische Einstufung (Tiefe und Ausbreitung des Krebses)
1. Oberflächlicher Blasenkrebs (nicht-invasiv, Stadien Ta–T1) → Bleibt auf der Innenfläche der Blase (Urothel) beschränkt.
2. Invasiver Muskelzell-Blasenkrebs (Stadien T2 und höher) → Der Tumor hat sich in die Muskelschicht der Blase oder darüber hinaus ausgebreitet.
3. Metastasierendes Blasenkarzinom → Der Krebs hat sich auf Lymphknoten oder entfernte Organe ausgebreitet.


Was sind die Risikofaktoren für Blasenkrebs?
- Rauchen → Es ist der größte Risikofaktor und für 50 % der Fälle verantwortlich.
- Chemikalien (Amin, Kontakt mit Stoffen aus der Farben-, Kautschuk- und Lederindustrie)
- Chronische Infektionen und Reizungen (langfristige Katheteranwendung, Schistosomiasis-Infektion)
- Vorgeschichte der Strahlentherapie (Patienten, die eine Strahlentherapie im Beckenbereich erhalten haben)
- Familienanamnese und genetische Veranlagung
- Die Einnahme von Östrogen (wurde in einigen Studien in Zusammenhang gebracht)
Was sind die Symptome von Blasenkrebs?
- Schmerzlose Hämaturie (Blut im Urin) → Dies ist das häufigste Symptom.
- Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen
- Häufiges Wasserlassen
- Schwierigkeiten beim Wasserlassen, unterbrochenes Wasserlassen
- Schmerzen im Beckenbereich und im Rücken (im fortgeschrittenen Stadium)
- Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, hartnäckige Infektionen
Wie wird Blasenkrebs diagnostiziert?
A) Laboruntersuchungen
Urinuntersuchung → Es wird auf Hämaturie (Blut im Urin) und Infektionen untersucht.
Urinzytologie → Es wird geprüft, ob Krebszellen vorhanden sind.
Tumormarker → Tests wie NMP22 und BTA können zur Diagnose beitragen.
B) Bildgebungsverfahren
Ultraschalluntersuchung (USG) → Bei großen Tumoren hilfreich, kann jedoch kleine Läsionen nicht erkennen.
Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT)-Urographie → Zeigt die Ausbreitung des Tumors an.
Positronen-Emissions-Tomographie (PET-CT) → Wird zur Beurteilung von Fernmetastasen eingesetzt.
C) Endoskopische Diagnostik: Zystoskopie
Zystoskopie → Das Innere der Blase wird direkt untersucht, und von verdächtigen Läsionen werden Biopsien entnommen. Dies ist die Goldstandard-Diagnosemethode.

Wie behandeln wir oberflächlichen Blasenkrebs?
- A) Behandlung von oberflächlichem Blasenkrebs (Stadien Ta, T1)
- Transurethrale Blasenrezektion (TUR-MT) → Der Tumor wird mithilfe eines durch die Harnröhre eingeführten Resektoskops abgeschabt und entfernt.
- Intraveskales BCG oder Chemotherapie → Nach einer TUR-MT werden BCG (zur Stärkung des Immunsystems) oder Chemotherapeutika (Mitomycin C, Epirubicin) in die Blase verabreicht, um ein Wiederauftreten des Tumors zu verhindern.
Nachsorge: Alle drei Monate erfolgt eine Kontroll-Zystoskopie.
Muskel Invasiv (T2 und höher) Blasenkrebs Wie behandeln wir Blasenkrebs?
1) Radikale Zystektomie (vollständige Entfernung der Blase)
Dies ist die Standardtherapie.
Die Blase, die umliegenden Lymphknoten und gegebenenfalls die benachbarten Organe werden entfernt.
- Bei Männern: Die Prostata und die Samenbläschen können ebenfalls entfernt werden.
- Bei Frauen: Die Gebärmutter und die Eierstöcke können ebenfalls entfernt werden.
Es werden neue Wege für den Harnabfluss geschaffen:
- Ilealer Konduit: Der Urin wird mithilfe eines Darmabschnitts zur Haut abgeleitet.
- Ortotopische Neoblasse (neue Blase): Aus einem Darmabschnitt wird eine neue Blase gebildet, sodass der Patient auf normalem Wege urinieren kann.
- Kutane Ureterostomie: Die Harnleiter werden direkt an die Haut angelegt.

2) Chemotherapie und Strahlentherapie
- Neoadjuvante Chemotherapie (vor der Operation) → Wird zur Verkleinerung des Tumors angewendet.
- Adjuvante Chemotherapie (nach der Operation) → Wird bei Patienten mit Lymphknotenmetastasen verabreicht.
- Strahlentherapie → Sie kann bei Patienten, die nicht operiert werden können, oder als organerhaltende Behandlung eingesetzt werden.
3) Immuntherapie und zielgerichtete Therapien
- Checkpoint-Inhibitoren (Atezolizumab, Pembrolizumab) → Dies sind Therapien der neuen Generation, die das Immunsystem aktivieren.
- FGFR-Inhibitoren → Werden bei Patienten mit einer FGFR3-Mutation eingesetzt.
Invasiv Radikale Zystektomie(Entfernung der Blase) Bei wem sollte sie durchgeführt werden?
Die radikale Zystektomie ist für folgende Patienten die am besten geeignete Option:
- Invasiver Blasenkrebs (T2-T3):
- Wenn sich der Tumor auf die Muskelschicht der Blase ausgebreitet hat, aber noch keine Metastasen gebildet hat
- Patienten im Stadium T4a:
- Wenn der Tumor auf benachbarte Organe wie die Prostata oder die Gebärmutter beschränkt ist
- Einzelne, vollständig resezierbare Tumoren
- Patienten mit gutem Allgemeinzustand (hoher Leistungsindex, gute Organfunktionen)
- Personen mit minimaler oder gar keiner Lymphknotenbeteiligung
- Bei oberflächlichen Tumoren mit hohem Risiko
- In fortgeschrittenen Krankheitsstadien, beispielsweise aufgrund von Blutungen, zu palliativen Zwecken
Gibt es eine Alternative zur Blasenentfernung? (Radikale Zystektomie für Patienten, bei denen eine radikale Zystrektomie nicht möglich ist)
1️ Blasen erhaltende Therapie (TUR-MT + Chemo-Strahlentherapie)
Für wen ist es geeignet?
- Patienten mit T2-Tumoren, die ein einziges Herde aufweisen und vollständig mittels TUR-MT entfernt werden können
- Patienten, die keine Operation wünschen oder für eine Operation nicht geeignet sind
Wie wird es angewendet?
- TUR-MT: Der Blasentumor wird vollständig herausgeschabt.
- Synchrone Chemoradiotherapie:
- Strahlentherapie (RT) + Chemotherapie (Cisplatin oder 5-FU)
- Nachsorge: Es ist eine engmaschige Nachsorge mit einer Zystoskopie alle drei Monate erforderlich.
Nachteile:
Hohe Rezidivrate (höheres Rezidivrisiko im Vergleich zur radikalen Zystektomie)
Es kann zu einem Funktionsverlust der Blase kommen (aufgrund von Fibrose und Schrumpfung)
2️ Palliative Chemotherapie und Immuntherapie (Stadium 4 oder schwere Begleiterkrankungen)
- Für wen ist es geeignet?
Patienten mit Metastasen (Stadium 4)
Patienten, die eine radikale Zystektomie nicht vertragen
Wenn der Tumor so weit gestreut hat, dass er nicht vollständig entfernt werden kann
- Behandlungsmöglichkeiten:
Cisplatin-basierte Chemotherapie (Gemcitabin + Cisplatin)
Immuntherapie (Atezolizumab, Pembrolizumab) bei Patienten, die kein Cisplatin erhalten können
Zielgerichtete Therapie (Erdafitinib) bei Patienten mit einer FGFR-Mutation
Ziel: Das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Lebenserwartung zu verlängern.
Radikal Systrektomie Ist sie für jeden geeignet?
- Nein!
- Die radikale Zystektomie ist zwar die wirksamste Behandlung bei muskelinvasivem Blasenkrebs, eignet sich jedoch nicht für jeden Patienten.
- Bei Patienten, bei denen eine Operation nicht in Frage kommt, können eine blasen erhaltende Therapie oder systemische Chemotherapie und Immuntherapie in Betracht gezogen werden.
- Die Entscheidung sollte individuell getroffen werden. Insbesondere bei älteren Patienten und Patienten mit Begleiterkrankungen kann eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie die bessere Option sein.
Wie sollte die Nachsorge nach einer Operation bei Blasenkrebs erfolgen?
- In den ersten zwei Jahren: Alle drei Monate werden eine Zystoskopie und bildgebende Untersuchungen durchgeführt.
- 2–5 Jahre: Alle 6 Monate wird eine Kontrolle durchgeführt.
- Nach 5 Jahren: Es findet einmal jährlich eine Kontrolluntersuchung statt.
Bei oberflächlichen Krebserkrankungen kann es in 50 bis 70 Prozent der Fälle zu einem Rückfall kommen, weshalb eine regelmäßige Nachsorge erforderlich ist.
Ergebnis und Zusammenfassung
- Blasenkrebs, der im Frühstadium erkannt wird, lässt sich mit TUR-MT und intravesikalen Therapien erfolgreich behandeln.
- Bei invasivem Blasenkrebs lässt sich die Lebenserwartung der Patienten durch eine radikale Zystektomie und eine geeignete Harnableitung verlängern.
- Bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium bieten Immuntherapie und Chemotherapie vielversprechende Behandlungsalternativen.
- Bei der Behandlung von Blasenkrebs ist eine frühzeitige Diagnose von großer Bedeutung. Insbesondere bei Rauchern sollte unverzüglich eine Zystoskopie durchgeführt werden, sobald eine Hämaturie (Blut im Urin) festgestellt wird.
- Auch wenn die radikale Zystektomie als Goldstandard bei muskelinvasivem Blasenkrebs (T2 und höher) gilt, ist sie möglicherweise nicht für jeden Patienten geeignet. Die Notwendigkeit und Eignung der Operation hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten, der Ausbreitung des Tumors und den Präferenzen des Patienten.
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